Von Monika Krämer
Kendo - Geschichte
Kendo, (japanisch: Schwert-Weg) hat sich aus der Schwertkunst (Kenjutsu) der Samurai, der Krieger-Kaste Japans entwickelt. Die Samurai (Bushi) übten sich jedoch nicht nur in der Vervollkommnung ihres Schwertkampfes, sondern lebten auch nach einem in der Bevölkerung hoch angesehenen eigenen Ehrenkodex, genannt Bushido. Dieser Ehrenkodex umfasste alle Bereiche des Lebens und gründete sich auf Mut, Respekt, Ehrlichkeit, Loyalität, Offenheit und Geduld.
Mitte des 18. Jh ging man dazu über, nicht mehr mit dem scharfen Schwert (Katana) oder der Holznachbildung eines Katana (Bokken) zu üben, sondern entwickelte über mehreren Jahrzehnte hinweg die heutige Schutzausrüstung sowie das Shinai, den aus 4 Bambusstreben gefertigten Fechtstock. Dieser neue Fechtstil, der den Vollkontakt beim Üben ermöglichte, wurde Kendo genannt.
1871 gab das japanische Erziehungsministerium eine Verordnung heraus, die Kendo zum Pflichtfach in allen Schulen Japans machte. Die Betonung lag auf dem geistigen, moralischen und physischen Wert des Trainings einer alten Kriegskunst. Die japanische Polizei nutzte – und nutz noch heute - Kendo und Judo, um geistige und körperliche Kondition zu wahren und zur Entwicklung von Kameradschaft.
Weder das Verbot, in der Öffentlichkeit ein Schwert zu tragen, das aufgrund der Saga-Rebellion (1876) erlassen wurde, noch durch das Verbot der Sportart durch die Amerikaner nach dem II. Weltkrieg konnte die von Japan ausgehende weltweite Verbreitung des Kendo verhindern. So gibt es inzwischen auf dem asiatischen, australischen und amerikanischen Kontinent sowie in Europa eine Vielzahl von Ländern, in denen Kendo praktiziert wird und die ihre Nationalmannschaften zu den alle 3 Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften entsenden.
Kendo heute
Es sind sicherlich nicht ausschliesslich die rein physisch-sportlichen Aspekte des Kendo, die Jung und Alt in den Bann ziehen, sondern gerade die darüber hinausgehende philosophische Dimension und die mit dem Training verbundene intensive Charakterschulung.
Das Ziel des Kendo Trainings ist es, Körper, Geist und Schwert in Einklang zu bringen, damit Denken und Handeln eins werden. Das klingt sicherlich philosophisch vergeistigt, was das Training selbst in keiner Weise ist. Denn zunächst einmal stehen für viele Jahre das Training des Körpers und die Beherrschung der Schwerttechniken im Vordergrund. Der Weg des Schwertes ist lang, hart und beschwerlich und von Rückschlägen und Misserfolgen gesäumt. Er erfordert Beharrlichkeit, Ausdauer und unablässiges Training.
Es dauert erstaunlich lange, bis man die wenigen Schlag- und Fuß-Bewegungen korrekt ausführen kann, Kondition und Schnelligkeit erlangt hat, um sich dann mit dem zweiten Schritt, der Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Gegner zu befassen. Der Gegner spielt eine zentrale Rolle. Denn ohne Gegner ist man nicht in der Lage, die eigenen Fehler zu erkennen und zu beseitigen. Dem Gegner gebührt Dankbarkeit und Respekt, unabhängig davon, ob er ein hoher Dan-Träger oder ein blutiger Anfänger ist. Kendo kann für den, der sich darauf einlässt, mehr sein als eine exotische Sportart. Wer sie im Sinne des Bushido betreibt, wird mit der Zeit merken, wie alltägliches Handeln und Kampfkunst sich gegenseitig beeinflussen. Kendo ist gleichermassen geeignet für Männer und Frauen jeden Alters sowie für Kinder und Jugendliche. Begeisterung, Ausdauer und Lernwille sind dabei wichtigere Voraussetzungen als reine Sportlichkeit.
Kendo in der Umgebung
Da es schwierig ist, Kendo zu beschreiben oder zu erklären, empfiehlt es sich, bei Interesse zunächst einmal ein Training anzusehen. Die nüchstgelegenen Möglichkeiten hierzu bestehen in Köln (Kendo Dojo Köln e.V./ www.koelnkendo.de) und in Bonn (SSF-Bonn, Abteilung Karate/Kendo/ www.ssf-bonn.de) Anfängerkurse werden regelmässig angeboten. Informationen über Trainingszeiten und –orte sind auf den entsprechenden homepages zu finden. Eine Übersicht aller Kendo-Vereine in Deutschland gibt es auf der Homepage des Deutschen Kendo Verbandes unter www.dkenb.de
