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TERMINE / AKTUELLES

März / April / Mai 2008
Siegburger Stadtmuseum

IKEBANA- und ORIGAMI-Workshops

Troisdorf

Kreativ Werkstatt

Schüleraustausch mit Yuzawa

Hier der Bericht von Melissa Pinger:

Los ging die Reise an einem sonnigen Freitagmorgen im Oktober. Nachdem ich mich von meinen Freunden noch ein letztes Mal in der Schule verabschiedet hatte, ging es per Auto zum Bonner Flughafen, von wo aus die Reise starten sollte. Ich war aufgeregt, da dies mein erster Flug werden würde.

Bereits in dem Flieger von München nach Tokio kamen die ersten Begegnungen mit der japanischen Kultur zustande. Eine Menge Japaner saßen mit uns im Flugzeug weshalb alle Ansagen sowohl auf Deutsch als auch auf Japanisch gemacht wurden. Auch das Essen war teils asiatisch und teils deutsch. Als ich schließlich wieder Boden unter den Füßen hatte, das war in Tokio, war mein erster Eindruck, dass sich Japan gar nicht mal so sehr von Deutschland unterscheidet.

Meine Meinung änderte sich jedoch schnell, als wir nach einem weiteren Inlandflug und einer eineinhalb Stunden dauernden Busfahrt in dem kleinen Städtchen Juzawa ankamen, wo uns ein riesiger Empfang bereitet wurde.

Dann kam der Moment, in dem wir unseren Gastfamilien zugeteilt wurden. Ich kam zu einer sehr netten Familie - Vater, Mutter, Großmutter und drei Töchter - die sich sehr liebevoll um mich kümmerte, und der ich sehr dankbar bin, dass ich eine Woche mit ihr verbringen durfte.

Am ersten Abend bereiteten sie für mich ein Festmahl, das größtenteils sehr fremd, jedoch sehr gut schmeckte. Was mich beeindruckte, war, dass sich meine Gastmutter die Mühe gemacht hatte, so viele verschiedene Sachen zum Essen vorzubereiten. Ich merkte jedoch bald, dass die Japaner anscheinend nicht so wie wir ein großes, sondern viele kleine Gerichte zu sich nehmen. Nach dem Essen unterhielten wir uns noch eine Weile, doch ich war schon bald so müde, dass ich ins Bett gehen musste und dreizehn Stunden am Stück schlief, bis mich meine Gastmutter am nächsten Tag um zwölf Uhr mittags weckte.

Die nächste Woche wurde sehr interessant und aufregend, als ich vier Tage lang mit meiner Gastschülerin Maki in die Schule gehen durfte. Der Unterricht in Japan dauert sehr lange, bis spät in den Nachmittag und manchmal sogar in den Abend hinein, denn die Schüler haben nach dem normalen Unterricht oft noch AGs.

So ging ich zum Beispiel am zweiten Tag mit in die Teikogruppe, in der Mädchen und Jungen Trommeln und Bambusflöten spielten. Ich selbst versuchte es auch und es hat mir totalen Spaß gemacht. Bambusflöte zu spielen, die Querflöte ein bisschen ähnlich ist.

Meine Zeit habe ich dann auch noch einem zweiten Hobby gewidmet: Origami. Meine Gastfamilie fand das bald heraus und schenkte mir eine Menge Origamipapier. Schnell hatte ich eine ganze Sammlung von kleinen Tieren bis hin zu kompliziert gefalteten Papierbällen zusammen.

Einen Tag lang besichtigte unsere deutsche Gruppe gemeinsam Yuzawa und Umgebung. Als erstes besuchten wir einen Garten, der über und über mit Blumen bepflanzt war. Was mich jedoch noch mehr beeindruckte, war der Fluss, an dessen Ufern und in dessen Flussbett heißes Wasser zwischen den Steinen hervor kam, so dass der Fluss an einigen Stellen sehr warm war. Was auch sehr interessant war, waren die Bogenschützen, denen wir später am Tag zusehen durften. Der Meister und seine Schüler schossen mit Langbögen zielsicher auf kleine Scheiben, die zirka 30 Meter entfernt aufgestellt waren.

Der vorletzte Tag in Juzawa war ein Feiertag, an dem in meiner Familie jeder (und auch ich!) einen Kimono, das traditionelle japanische Gewand, anzog. Wir tranken grünen Tee und aßen dazu eine Süßigkeit. Ich erfuhr, dass die Japaner an diesem Tag den Mond anbeten, um eine gute Ernte zu bekommen.

Und dann kam er auch schon, der Tag des Abschieds! Nach etlichen Umarmungen, Abschiedsfotos und Tränen mussten wir in den Zug steigen, der uns innerhalb von ein paar Stunden nach Tokio, Japans Hauptstadt und größte Stadt der Welt, bringen sollte.

Als wir am Bahnhof ausstiegen, wurden meine Erwartungen noch übertroffen. Tokio war gigantisch! Wo man auch hinsah, überall Hochhäuser, Bürokomplexe und vor allem Menschen. Große Menschenmassen schoben sich durch die Stadt, so dass man sich irgendwie richtig verloren vorkam. Wir wohnten in einer Jugendherberge im 18. Stock. In unserem Zimmer, auf dem insgesamt bis zu sechs Personen schlafen konnten, bestand eine Wand nur aus einer einzigen Glasscheibe, von der man einen gigantischen Blick über Tokio hatte.

Zwei Nächte später übernachteten wir in einem richtigen Tempel und durften auch bei der Meditation des dortlebenden Mönches zusehen. Ich hatte noch nie vorher so etwas gesehen, fand es aber sehr interessant. Der Mönch bat mich auch, mit ihm zusammen Flöte zu spielen, da er erfahren hatte, dass ich am Empfangsabend in Yuzawa mit der Querflöte etwas vorgetragen hatte. Später am Abend schenkte er mir dann eine Japanische Flöte, auf der ich dann angefangen habe zu üben. Leider mussten wir am nächsten Tag schon wieder abreisen.

Eine Stadt, in der es ebenfalls sehr viel zu sehen gab, war Kyoto. Dort fuhren wir am ersten Tag mit dem Aufzug zur oberste Spitze eines Wolkenkratzers, von wo aus wir die ganze Stadt und sogar den Berg Fuji sehen konnten. Einen Tag später besichtigten wir einen Tempel. In dessen Mitte stand eine Statue, die bestimmt ca. zehn Meter groß war. Wie die Menschen es früher bloß geschafft haben, solche Statuen aufzurichten, ohne Kran und ohne Lastwagen?

Schließlich war es so weit, unsere Zeit in Japan ging zu Ende. Nach einem langen Tag mit einem 12 Stunden Flug kamen wir völlig erschöpft wieder in Siegburg an.

Die nächsten Tage verbrachte ich dann damit, allen zu erzählen, was für eine wunderbare Zeit ich in Japan hatte, das Land, das mir in nur zwei Wochen sehr ans Herz gewachsen war.

Melissa Pinger