Schüleraustausch mit Yuzawa
Hier der Bericht von Felix Römer:
Als ich im Vorfeld über meinen Aufenthalt in einer Gastfamilie in einem fremden Land mit fremder Kultur nachgedacht habe, wo noch nicht einmal die Gewissheit herrschte, ob und wie gut die Gastfamilie überhaupt Englisch sprechen kann, und als uns dann auch noch soviel erzählt wurde und ich an die zahlreichen Klischees dachte, hatte ich einige Male ein wirklich mulmiges Gefühl, ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte, mitzufahren.
Dennoch habe ich mich immer damit beruhigt, dass wohl alles nicht so schlimm sein könne, wie ich hier zu Hause dachte. Als dann die Japanreise kurz bevor stand, verschwanden auch all diese Gedanken wieder und machten der Vorfreude Platz.
Meine erste Begegnung mit der Gastfamilie am ersten Abend war sehr herzlich, nur das Gespräch verlief ein wenig stockend, weil keiner so recht wusste, was er sagen sollte. An diesem Abend, an dem mich meine ersten Eindrücke, auch wegen der langen Flugreise, überwältigten, hatte ich auch ein bisschen Heimweh.
Am nächsten Tag war ich mit meinem Gastschüler und seinem Freund in einer Shopping-Passage. Je länger ich dort mit den beiden zusammen war, desto mehr merkte ich, wie wenig unterschiedlich die Jugendlichen in Deutschland und in Japan sind, denn wir hören die gleiche Musik, machen den gleichen Sport und haben die gleichen Hobbys.
Auch beim Zusammensein mit meiner japanischen Gastfamilie fühlte ich mich sehr wohl, denn die Gastfreundschaft, die mir entgegen gebracht wurde, war von solch einer großen Herzlichkeit, dass ich das Gefühl hatte, ich gehöre schon zu der Familie dazu. Die ganzen kulturellen Unterschiede, von denen ich vor der Reise gedacht hatte, dass sie gravierend sein würden, existierten so gut wie nicht, denn das Leben in Japan unterscheidet sich nur gering von dem in Deutschland. Der ganze Tagesrhythmus ist im Wesentlichen gleich, wie auch das soziale Leben der Japaner. Das fängt damit an, dass man sich nach der Schule mit Freunden trifft und es hört damit auf, dass man am Wochenende Bowling spielt.
Auch das Schulleben ist nicht sehr unterschiedlich vom deutschen. Die ganzen Schüler, die ich getroffen habe, sind vom Charakter her fast wie die deutschen Schüler: Es gibt die guten, die normalen und auch die etwas schwächeren Schüler. Nur, dass die japanische Schule wesentlich familiärer ist. Denn als ich die Schule besucht habe, wurde ich so liebenswürdig und pompös empfangen und so nett umsorgt, dass ich fast zu Tränen gerührt war.
Auch die Schüler, die ich getroffen habe, waren alle sehr zuvorkommend und daran interessiert, was ich über Deutschland, Siegburg, deutsche Kultur und Persönliches zu erzählen hatte, dass ich gerne noch länger erzählt hätte, denn die Atmosphäre war so schön. Natürlich haben wir zusammen auch viele Witze und Späße gemacht und viel gelacht. Ebenso sind die Lehrer bemühter um Gäste als die Lehrer in Deutschland. Das hat mich besonders beeindruckt, als mir ein Lehrer kurz vor unserer Abreise nach Tokio ein Paket mit Früchten mit auf den Weg gegeben hat, damit ich Proviant für die Zugreise hätte.
Diese und viele, viele andere sehr, sehr schöne Erlebnisse, die ich sowohl in meiner Gastfamilie als auch mit allen anderen Japanern in dieser Zeit gemacht habe, haben in mir den sehnlichen Wunsch geweckt, auf jeden Fall noch einmal nach Japan und speziell nach Yuzawa zurückzukehren.
Ich möchte auf diesem Wege allen herzlich danken, die meine Reise zu einem so wunderschönen Erlebnis gemacht haben. Hauptsächlich danke ich meiner Gastfamilie, die mir im fernen Japan ein Zuhause gab. Ebenfalls geht ein Dank an den Schulleiter, die Lehrern und Mitschüler und den Bürgermeister der Stadt Yuzawa.
Felix Römer
